Heisser Tipp

Mottogedichte

Reinhold Aumaier: Heisser Tipp. Gangan Verlag, Sydney 1999, 88 Druckseiten, ISBN 978-3-900530-26-6, iBook für iPad, iPhone und Mac, € 2,99

Band 11 der Reihe „Gedichte“ präsentiert den österreichischen Dichter Reinhold Aumaier mit 54 Texten, denen er jeweils ein Zitat von Laotse bis Bob Marley als Motto vorangestellt hat.

Herausgegeben von Gerald Ganglbauer.

Aumaiers Stärke ist die lockere Verbindung zwischen verschiedensten Gegebenheiten und ihren sprachlichen Darstellungsmöglichkeiten. Er ist ein Meister von humoristisch-analytischen Wort- und Sprachspielen, die auf Verfahren der experimentellen und Konkreten Poesie zurückgreifen.
Michael Hansel

die maschinentexte

montagen, textsynthesen, computer generierte texte, permutationen

Marc Adrian: die maschinentexte. Gangan Verlag, Sydney 1996, ISBN 978-3-900530-25-9, iBook für iPad, iPhone und Mac, € 4,99

anise of club without gael the perfect no unrepining the glutinous inside dodecagon. alternation without style. stuff not presumptive. glutinous inside luxury. chirk inside unrepining. gael not presumptive. coffee-grounds not magpie from coffegrounds no askew of style without presumptive beyond anise not servia the alternation, cannibal the style not magpie. deliver, anise the chirk no deliver the alternation a servia beyond askew, club from club inside style by stuff without regularity beyond glutinous without inside wiseacre with cannibal in-side deliver from presumptive inside glutinous. chirk without practicable the wiseacre inside magpie. gael not club.

aus: text nr. 9, die maschinentexte. (text nr. 9/67 wurde anläßlich der ausstellung „cybernetic serendipity“ im ICA london vom BBC als eigene sendung zusammen mit text nr. 10, 11 und (vielleicht) 8/67 gebracht, deren originale in london geblieben sind.)

Entweder Olga

Prosa

 

Magdalena Sadlon: Entweder Olga. Gangan Verlag, Wien und Sydney 1993, 96 Seiten, Foto: Cornelia Mittendorfer, Cover: Gerald Ganglbauer, Illustrationen der Autorin, Hardcover, 21.5 x 15 cm, ISBN 3-900530-21-1, € 14,90

Entweder-OlgaLiteraturgeflüster, 9. Juli 2013

Jetzt kommt wieder ein Kunststück nämlich die Besprechung eines experimentellen Textes, sehr sorgsam konstruiert, in verschiedenen Sprachformen aufgebaut, aber wenig Plot und Inhalt, schöne Sätze, wenig Handlung und wahrscheinlich kein Realismus, den ich ja sehr brauche, also flüchte ich mich wieder in allgemeine Literaturbetrachtung, erzähle was ich über die Autorin und die Geschichte des Buches weiß und das letztere ist sehr interessant und vermag auch ein wenig Einblick in den Literaturbetrieb und das Leseverhalten zu geben.

Also um nicht ebenfalls unverständlich zu werden. Ich bespreche Magdalena Sadlons, 1993 bei gangan erschienene Prosa “Entweder Olga”.

Ein Buch das ich vor mehr als einem Jahr im “Wortschatz” am Margaretenplatz gefunden habe. Ein neues, ungelesenes Buch. Und wenn ich mich nicht irre, standen ein paar Exemplare im Kasten und dann immer wieder, wer sich also dafür interessiert, hingehen, vielleicht ist es noch zu finden.
Ich interessiere mich natürlich dafür, wer die unverkaufte Auflage hineinstellt? Der Herausgeber Gerald Ganglbauer, der Ex Mann Petra Ganglbauers wird es nicht sein, lebt er, glaube ich ja in Australien und ist seit seiner Parkinson Diagnose Botschafter für Parkinson-Selbsthilfegruppen.
Vielleicht die Autorin selbst, die 1956 in der Slowakei geboren wurde und 1968 mit ihrer Familie nach Österreich kam und die, wie ich in der GAV-Mitgliederliste gesehen habe, im vierten Bezirk lebt und sich einer Restauflage entledigen will? Ich kenne den Namen von der GAV und wahrscheinlich auch von der Zeit als ich noch um Stipendien angesucht habe, hat Magdalena Sadlon, wie im Buch steht, einige bekommen. Persönlich kenne ich sie, glaube ich, nicht.
2006 ist aber bei Zsolnay ein Buch von ihr erschienen und das wurde, glaube ich, in “Ex Libris” besprochen.
Dann kam noch 2007 der Adalbert von Chamisso-Preis, also eine sehr beachtliche literarische Karriere, die viele GAV-Mitglieder nicht schaffen.
Seit 1984 lebt die Schauspielerin und Übersetzerin in Wien und Zwettl, steht auf dem Buch.
1988 sind bei gangan “Man sucht ein Leben lang – 41 Anagramme” erschienen, dazu gibts Besprechungen von Barbara Alms, Brigitte Mayr und Wendelin Schmidt-Dengler der “sie ist eine Meisterin, in dem, was man die “Alchemie des Wortes” genannt hat”, schreibt.
Das Buch ist unter hundert Seiten lang und besteht aus verschiedenen Sprachformen. Ein großer Teil sind dreizehn Abschnitte, die von einer “sie” erzählen, ob das die Olga ist?
Handlung ist wie geschrieben, keine zu erkennen, aber schöne Sätze, Anmerkungen, Fußnoten, Paragraphen. Eine Meisterin der Sprache, wie Andrea Winkler vielleicht, oder etwas experimenteller und weniger Mainstream, mehr wie Ilse Kilic könnte man meinen, gibt es ja immer wieder Zeichnungen und auch Überschriften. So steht im Abschnitt I auf einmal “Leben? Sinn? und ähnliche Fragen” großgedruckt in der Mitte der Seite.
“Haus des Zufalls Zuhauf warum ums Herz” im zweiten.
Es wird aber Groß und Klein geschrieben, was interessant ist, weil das in der neueren experimentellen Literatur nicht so ist.
Dann gibts immer wieder eingeschobene Geschichten. “Gespräche mit einem Hund” beispielsweise.

“na wer kommt denn da, na wer ist denn da? na was, ablutschen und liegen lassen, du Elender!”

Ein Kapitel ist mit “ich” überschrieben.

“ich habe dich nicht kommen gehört
ich habe dich nicht hören gesehen
ich habe dich nicht sehen
ich habe dich nicht wollen”

Auf Seite achtunddreißig gibts eine Zeichnung. Da wird der Weg von der Faulmanngasse zur Josefinengasse und retour, mit Prater, Riesenrad, Stephansplatz und U-Bahnstationen ganz genau gezeichnet.
Zwei Kapitel sind der “Kindheit” gewidmet. In “Kindheit” trifft man auf bekanntes.
“Sitz gerade! Antworte wenn du gefragt wirst! Gib deine Hände auf den Tisch!” u.s.w. u.s.f.
“In Gewissen” trifft man auf die Handschrift, etwas was mich an den Rudi erinnert. Ein Kassenzettel aus dem “Gasthaus Spatzennest” findet man später auch. “Keine bezahlte Anzeige” steht darunter.
Bei Abschnitt XII steht dann immer wieder “Bilder diesselben und immer Worte. Worte diesselben und immer Bilder.”
In der Mitte ist ein Quadrat herausgeschnitten, das auf der gegenüberliegenden Seite zu finden ist.
“Fortissimo” steht darunter.
Auf den Seiten 82 und 82 gibts ein “Hörstück”
Dann folgen einige Gedichte. Die schon erwähnte Rechnung über 108 Schilling, was ein Wurzelfleisch und ein Seidl betrifft, was mir für 1992 sehr teuer erscheint.
Dann kommt das, was den Namen des Buches erklären könnte.
“entweder Olga, Aug um Augusta, alles oder Nina, Geld oder Lena, an da Wanda, mein Undine”, schön angeordnet, was auch am Cover anzutreffen ist.
Danach wird für das Zustandekommen gedankt. Die mir bekannten Namen sind dabei Reinhold Aumaier auch ein experimenteller Autor, den ich schon gelesen habe, Ilse Kilic, Christian Steinbacher und ein bißchen weniger experimentell, dem St. Pöltner Autor Günther Stingl, sowie ihrer Mutter und ihrem Vater.

“Weiters danke ich der Jury des Anerkennungspreises des Landes Niederösterreichs 1990, der Jury des Förderungspreises der Stadt Wien 1990, der Jury des Theodor Körner Preises 1992 und der Jury des österreichischen Staatsstipendiums für Literatur 1993. M.S.”

Man sieht Magdalena Sadlon ist eine anerkannte Autorin, die den meisten Österreicherin wahrscheinlich trotzdem unbekannt ist, wenn man sie lesen und mehr von ihr erfahren will, ist der “Wortschatz” am Margaretenplatz, wie schon erwähnt, sehr zu empfehlen. Vielleicht gibts noch mal das Buch darin zu finden. Und wieder bin ich ein bißchen ratlos zurückgeblieben. Weil mir die schönen Worte und die Sprachspielereien nicht ganz reichen. Damit werden aber Preise und Stipendien gewonnen, sowie Bücher gedruckt, die vielleicht unverkäuflich sind.
Eva Jancak

Julian Schutting in „Die Presse“
Birgit Schwaner in der „Wiener Zeitung“

die wunschpumpe

Eine Wiener Montage

Marc Adrian: Die Wunschpumpe. Gangan Verlag, Sydney und Wien  1991, 304 Seiten, 40 Ill., gebunden, 21.5 x 15 cm, ISBN 3-900530-18-1, € 19,90

Limited Edition signiert € 150,00

 

Marc Adrians Wunschpumpe hat mich als Leser durch seine scharfsinnige Beobachtungsgabe betroffen gemacht. Der Autor stellt sich mit Recht – auch auf Grund autobiographischer Erfahrungen – auf den Standpunkt: Das Leben untersteht anderen Gesetzen als den Gesetzen einer illusionären, heilen Welt des Bürgertums. Die Härte des Lebens wird durch die Polarität zwischen Tätern und Opfern bestimmt. Inhaltlich fällt auf: Genaue Opfer/Täter-Ambivalenzen sind grundlegend. Damit entsteht ein Beitrag zur Phänomenologie der heutigen Gesellschaft: Psychopathologie, Faschismus, Soldatentum, Ökonomie und entsprechende Wiener Varianten. Weiters die Phänomene aus dem Bereich Sexualität; dabei bietet das Sprachinstrumentarium des Autors Möglichkeiten einer Entmystifizierung. Wer bereit ist, sich auf diese Texte einzulassen, erlebt die Schwierigkeiten und die Faszination, die auch zum französischen Strukturalismus und zum nouveau roman gehören. Hier ist das Medium ‚Sprache‘, genauer gesagt die Sprache als Struktur die Botschaft. Die Texte sind bestimmt von exakten Kompositionsgesetzen mit einer Vielzahl von Variationen. Es gibt Sprachgitter, Sprachspiele, Kombinationen von Sprachebenen (Primär- und Metasprachen), Sprache der Lexika, Zitate im Sinne der Postmoderne, Ironisierungen und Verschlüsselungen. Wittgenstein wird zitiert und assoziiert, das Auge sensibilisiert durch optische, schlagzeilenähnliche Anordnungen. Die Originalität der Texte entsteht auch durch die Sprache des Wiener Untergrundes, mit vielen Anleihen aus der Wiener Kunstszene, Bibelzitaten mit ihrer Betonung des Opfers Jesu; und schließlich erinnern Adrians Texte auch an die kritische Sprache der 68er Bewegung. Wo es hier um Religion geht, ist eigentlich Religionskritik gemeint, und wenn es um Philosophie geht, Antiphilosophie. Die Helden (Antihelden) dieses Lebens gehören zu jenen Schichten der Gesellschaft, die der Bürger tabuisiert und verachtet. Mir fällt dazu jene Argumentation ein, die in den 60er Jahren durch Herbert Marcuse vertreten wurde: Subjekt der Kulturrevolution und der gesellschaftlichen Veränderung ist nicht mehr die verbürgerlichte Arbeiterschaft, sondern die kulturellen Randschichten, ausgegrenzte Minderheiten, Angehörige von kulturellen Unterschichten. Auf diese richtet sich der intensive Blick des Autors, geht bis zur Identifikation und führt zu Auseinandersetzungen mit dem eigenen Schatten. Spielt Marc Adrian dem Leser eine Dialektik zu, die ihn auf einen neuen Humanismus aufmerksam machen soll? Prof. Dr. theol. Kurt Lüthi

marc adrians pumpe fördert allerhand zutage, läßt keine wünsche offen, dabei plumpst vieles, das sich bis dato mächtig ins zeug legen konnte, wie nichts weg. als würde der GSCHWINDE eine liaison mit dem johannesevangelium in der löwengasse vom zaun brechen wollen, auf daß es dem GERONIMO die augen in ein wiener schnitzel katapultiert: hier steht sie vor uns – die zusammenfügung scheinbar disperatester teile, und doch könnte man sich keine anderen vorstellen, um selbst nestroys geist zu beschwören: „i sags nur, weul i grad davon red“, oder so ähnlich. scharf geschnittene kader klatschen da auf noch schärfere. dem voyeur sind alle möglichkeiten geboten. – schließlich öffnet nicht alle tage das „kunstwerk, die dichtung“ als „ein ort der macht des negativen denkens“ die vulva wie das erstbeste scheunentor eines klapprigen denkens. gegen diese wunschpumpe verkommt selbst die „seelandschaft mit pocahontas“ zu einem zarten lercherlschas innerhalb der deutschsprachigen literatur dieses auslaufenden zwanzigsten jahrhunderts. was schmidt forderte („der grundirrtum liegt immer darin, daß die zeit nur als zahlengerade gesehen wird, auf der nichts als ein nacheinander statthaben kann. ‚in wahrheit‘ wäre sie durch eine fläche zu veranschaulichen, auf der alles ‚gleichzeitig‘ vorhanden ist“), löst adrian ein, wobei noch hinzukommt, daß es bei ihm nichts flaches gibt. dagegen würden sich auch seine protagonisten (z.b. der LEWENDICHE, die HAMBURGERIN und der TEXASHIAS) verdammt stemmen. Gerhard Jaschke

 Im Schatten der Avantgarde
Klaus Kastberger im „Falter“ Nr. 12/1992

 

Die Einzelteile des Lebens

Roman

Mike Markart: Die Einzelteile des Lebens. Gangan Verlag, Wien 1991, 112 Seiten, Titeltypographie: Christian Horvath, Foto: Anita Markart, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-20-3, € 14,90

Die-Einzelteile-des-LebensSich erinnern – wen? Mike Markart zielt mit seinen detailfixierten Beschreibungen vom südsteirischen Anstaltsalltag auf eine Genauigkeit, die jenseits persönlicher Erinnerbarkeit liegt, in geschriebenen Sätzen.

Bei Markart sitzen die Pfleglinge im Roman dichtgedrängt auf einer Bank, um sich Die Einzelteile des Lebens solange gegenseitig vorzusagen, bis ein Ganzes entsteht, zusammenhängende Sätze. Die Wiederholung erschöpft sich dabei nicht in einer Litanei, sondern treibt sich durch Verschachtelung zu bester absurder Komik.

Wie schon in seinem ersten Gedichtband Belsize Park, der 1986 ebenfalls bei gangan erschienen ist, zeigt sich Mike Markart in seinem Roman-Puzzle wieder als ein kompromißloser Sprachspieler von großer Leichtigkeit. So wird die Dunkelheit, die um die Eingeschlossenen seines Buches herrscht, nicht nur erträglich – sie wird im vorschriftsmäßigen Rundgang durchs Gedächtnis aufgehoben. Oder um einen der wenigen zur Gänze zitierbaren Sätze Markarts zu zitieren: “Jene, die sich an den Fenstern gedrängt haben, nehmen wieder ihre Plätze ein.”
Lucas Cejpek, Der Standard (Wien)

Das unbewältigte Wörterbuch

Gedichte | 10

 

Peter Köck: Das unbewältigte Wörterbuch. Gangan Verlag, Wien 1990, 128 Seiten, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-17-3, € 9,90

Das-unbewaeltigte-WoerterbuchKöck dürfte trotz seiner Beteuerung, streng formal zu operieren, ein Spontandichter sein. Von meinem ersten zustimmenden Brief erfreut, schrieb er mir an einem Wirtshaustisch neben einem fröhlichen Antwortbrief in einem langen Atemzug, mehrere meiner Briefwörter durchoperierend, das nicht nur viele Seiten lange, sondern auch wirklich vielseitige Rabengedicht.
Angenehmes Merkmal des Spontanen scheint mir die Unerrechenbarkeit zu sein, auch dort, wo kombiniert, variiert und permutiert wird. Die Langweiligkeit seitenlanger regelmäßiger Ornamente, mit einem Blick erledigbarer reiner Kristallgitter findet hier nicht statt. Von Sekunde zu Sekunde kommen neue Methoden, neue ergiebige Einzeleinfälle ins Spiel. Von Minute zu Minute wird die alte Rechenmaschine weggeschmissen — Minderbemittelte werden sie aufklauben und noch jahrelang, bis zur Schrottreife, verwenden.
Andreas Okopenko

Das Bild steht noch deutlich vor Augen: Der ertrunkene Dichter Peter Köck, damals 39, wird am 1. Juni 1989 in der Nähe von Groß-Enzersdorf aus dem Donau-Oder-Kanal gefischt. Ein Jahr später ist nun beim gangan Verlag der zweite Band einer Peter Köck gewidmeten Werkausgabe erschienen. Köck bediente sich darin permutativer Verfahren. Dabei wird ausgewähltes Wortmaterial semantischen und seriellen Veränderungen unterworfen. Das stellt Köck in die Tradition der experimentellen Literatur. Der studierte Sprachwissenschafter entlockte aber seinem (vorgeblich) Wörterbüchern entlehnten Vokabular, das er in fingierte Rede- und Argumentationsmuster einpaßte, gänzlich neue oder betont gesuchte Wendungen, die seiner Arbeit eine stark persönliche Note verliehen.
Ronald Pohl (Standard vom 19. Dezember 1990)

Eine eigenständig spontane, lustvoll verspielte Antwort auf die streng serielle Operationstechnik der Wiener Gruppe und ihrer nachhinkenden Ableger. Zu sehr war Köck ins Spiel mit Wortklang und -farbe verliebt, um sie einer strengen Konstruktion zu unterwerfen. Wo wieder andere in die Metapher auskehren, greift seine Lyrik ‘pragmatisch’ in die Alltagserfahrung und zerkaut humorvoll deren ungeschliffenes Wortarsenal. Nie degradiert die assoziative Überraschung das paronomastische Jonglieren mit dem Inhalt zur bloßen Pointe.
Peter Köck hat sich beim Schreiben wie im Leben gehen lassen, darum pulsen seine Gedichte vor Lebendigkeit. Als Leser hat man das anfeuernde Gefühl: sie werden in dem Moment, vor eigenen Augen geschrieben und bei jedem Wiederlesen neu. Die vielen falschen Töne, die eine wacklige Trompete – Musiker und Bildkünstler war er nebenbei auch – an heißen Sommertagen durch die Grazer Herrengasse geblasen hat, hier klingen sie nach. Und wer genau hinhört, der merkt, obwohl tragischerweise etwas spät: es waren die richtigen.
Richard Stradner (1. März 1991 in der Kleinen Zeitung)

Erinnerungen an einen früh Verstorbenen: Von Peter Köck (1949 – 1989), ein böser Bube, der schreibt, wie ein Nachfahre der Wiener Gruppe nur schreiben kann, hat der gangan Verlag ‘Das Unbewältigte Wörterbuch’ neu aufgelegt. Wie da einer mit Sprache umgeht, respektlos und provokant, ist immer auch witzig.
Anton Thuswaldner (19. Jänner 1991 in den Salzburger Nachrichten)

Die Großverlage produzieren Maschinensemmeln, wir Kleinverleger machen das Feingebäck, behauptet Horst Gerald Ganglbauer, Kleinverleger mit Adressen in Graz, Wien und Sydney. Eines seiner feinsten Gebäcke dürfte wohl die Ausgabe der Werke des Peter Köck sein.
(Lesezirkel der Wiener Zeitung, Nr. 49)

Das Bild anfängt stehen

LXIV Etüden in Haiku (=Hokku)
Gedichte | 8

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Peter Köck: Das Bild anfängt stehen. Gangan Verlag, Wien 1989, 64 Seiten, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-14-9, € 7,90

Das-Bild-anfaengt-stehenüber das hokku
du sollst das hokku wie eine mutter sprechen, die ihrem kind die geschichte vom guten mond erzählt. nämlich wie eine schöne junge mutter von einem überaus sanften schönen mond. ruhig und verträumt und mit stiller herzlicher freude in den geschlossenen augen. sie steht am fenster oder irgendauch im warmen gras der sommerlichen gärten. der wind schläft schon in den bäumen und die vögel singen nur ganz von fernher …
… so bitte sprich das hokku.
H. C. Artmann

‘die welle entlang
wo der damm aufhört und das
bild anfängt stehen’.

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Peter Köck: Ohne Titel (Tusche auf Papier, ca. 1988)

41 Anagramme

Man sucht ein Leben lang
Gedichte | 7

AmazonStoreVerlag

Magdalena Sadlon: 41 Anagramme, Gangan Verlag, Wien 1988, Cover: Gerald Ganglbauer, 64 Seiten, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-11-4, € 7,90

Man-sucht-ein-Leben-langIn den Anagrammen Magdalena Sadlons wirkt das Vorbild Unica Zürns nach, aber auch die weiterreichende Tradition des “irregulären” Europa und seiner “dämonenumwitterten Nachtseite” … so arbeitet Sadlon mir sprachlichem Material, das aus der bekannten Welt stammt, und entlockt ihm Satzfetzen und Sätze, die auf die in ihm verborgene Welt weisen. Barbara Alms

Um “Umstellungen der Worte” geht es ihr, um Wortspiele, vielleicht auch um Decknamen, um das Bilden von Verbindungen. Ebenso zeigt sie uns Lautreihen, die, vor- und rückwärts gelesen, einen Sinn ergeben. Sie hat sich gut informiert über Wortspielereien und erläutert anschaulich alle Geheimnisse geschriebener Buchstabenreihen, findet Anklänge an Surrealisten ebenso wie an Barockdichtungen. Brigitte Mayr

Sie ist eine Meisterin in dem, was man die “Alchemie des Wortes” genannt hat. … Sadlon erzeugt aus der simpelsten Wendung Energien. … Zwischen der Anordnung der vermeintlich normalen Wortfolge und poetischen Zeilen der Permutation entsteht eine Spannung, die der zwischen Alltagsrede und poetischer Rede entspricht. … Die Anagramme Magdalena Sadlons mobilisieren unsere Phantasie.
Wendelin Schmidt-Dengler

Rotweissbuch

Österreichische Autoren zum Anschluß 1938

StoreVerlag
Josef Haslinger: Rotweissbuch. Gangan Verlag, Wien 1988, 128 Seiten, Paperback, 19 x 12.5 cm, ISBN 3-900530-13-0 9,90 €

RotWeissBuchChristoph Wilhelm Aigner • Herwig Alth • Reinhold Aumaier • Johann Barth • Georg Bydlinski • Gustav Ernst • Janko Ferk • Antonio Fian • Waltraud Haas • Hans Haid • Werner Herbst • Klaus Hoffer • Adolf Holl • Evelyn Holloway • Eva Jancak • Ernst Jandl • Gerhard Jaschke • Marie-Thérèse Kerschbaumer • Friederike Mayröcker • Marcel Meyrath • Manfred Moser • Elisabeth Netzkowa • Andreas Okopenko • Walter Pilar • Elisabeth Reichart • Gerhard Roth • Magdalena Sadlon • Michael Scharang • Christian Schiff • Katja Schmidt-Piller • Sabine Scholl • Franz Schuh • Julian Schutting • Norbert Silberbauer • Peter Turrini • Liesl Ujvary • Herbert J. Wimmer