Gemischter Satz

Gedichte | 13

Walter Hölbling: Gemischter Satz. Gedichte. Gangan Verlag, Stattegg 2019, 116 Seiten, Paperback, 21 x 14.8 cm, ISBN 978-3-900530-46-4, € 9,90

abstand

die welt wird langsamer

hauchdünne nebelschleier schieben sich milchzart
zwischen die dinge und mein wollen

die klaren kanten der objekte
werden stumpf und weich
die dringlichkeit der augenblicke
weicht meinem grübeln
über mögliche entschlüsse
worte gerinnen zu abstrakter starre
in der die dinge ewig unverändert bleiben

ist es ein todesahnen
das mir am nacken tastet
und mich für eine weile
des trosts der ständigen veränderung beraubt?

es scheint das leben sich
mit weiten schritten zu entfernen
die küchenuhr tickt lauter als gewohnt

sie misst die zeit
von hier bis zu den sternen

ihr gang bleibt gleich

sie zählt
und bläst
die schleier meiner kurzen ewigkeit
sanft und bestimmt
in die vergangenheit

Walter Hölbling

Walter Hölbling

walter-hoelbling-buch
Privatfoto

Walter W. Hölbling (Jahrgang 1947) kam aus Mürzzuschlag nach Graz, wo er Englisch und Geschichte studierte und daraus eine akademische Karriere bis zum „Vorstand des Grazer Instituts für Amerikanistik“ machte. Gemeinsam mit Gabriele Pötscher hat er die englischsprachigen Lyrikbände Love Lust Loss (2003) und Think Twice (2006) veröffentlicht und 2007 das Lit-Mag #37 Myself and Others herausgegeben. Zahlreiche Gedichte sind in Anthologien und Magazinen erschienen. Gemischter Satz ist die erste Sammlung von Texten in seiner Muttersprache. Der Uni-Professor im Ruhestand pendelt derzeit zwischen Graz und Teneriffa.

In Arbeit

Belsize Park

Gedichte | 4

Mike Markart: Belsize Park. Gangan Verlag, Stattegg 2016, 64 Seiten, Paperback, 21 x 14.5 cm, ISBN 978-3-900530-06-8, € 7,90

Belsize-Park-frontcoverVor 30 Jahren ist mein Gedichtband „Belsize Park“ erschienen. Aufgrund der Neuauflage kehre ich in ihn zurück. Ich habe ihn natürlich längst vergessen.
Die Menschen dort ebenfalls.
Ich lasse mich also auf etwas vollkommen Neues ein, als ich ihn jetzt wieder lese.
Schließlich unterteilt sich mein literarisches Leben in 3 wesentliche Abschnitte, die sich sehr voneinander unterscheiden. In die „frühen Gedichte“ der 80er Jahre, die darauf folgende „formale, strenge Prosa“, und meine größeren Prosaarbeiten seit 2008, welche erzählerischer und inhaltsreicher sind.
Der „Belsize Park“ stammt also aus einer Phase, in welcher ich mit gezielten Auslassungen und Engführungen Irritation hervorzurufen und die Räume verbrauchter Bilder neu zu ordnen versuchte.
Lese ich diese Texte jetzt, ist mir vieles rätselhaft.
Ich finde anregende Wendungen in jenem Raum, der sich meiner Erinnerung bereits entzogen hatte.
Diese verstörenden Satzteile, das Ungesagte, die Zwischenräume und Brüche erinnern mich aber an mich.
Ein wenig.
Ich werde sie aber nie mehr ganz erreichen.
So lese ich die Texte wie Gedichte eines lebenslangen Freundes,
der mir am Herzen liegt.
Mike Markart

Heisser Tipp

Mottogedichte

Reinhold Aumaier: Heisser Tipp. Gangan Verlag, Sydney 1999, 88 Druckseiten, ISBN 978-3-900530-26-6, iBook für iPad, iPhone und Mac, € 2,99

Band 11 der Reihe „Gedichte“ präsentiert den österreichischen Dichter Reinhold Aumaier mit 54 Texten, denen er jeweils ein Zitat von Laotse bis Bob Marley als Motto vorangestellt hat.

Herausgegeben von Gerald Ganglbauer.

Aumaiers Stärke ist die lockere Verbindung zwischen verschiedensten Gegebenheiten und ihren sprachlichen Darstellungsmöglichkeiten. Er ist ein Meister von humoristisch-analytischen Wort- und Sprachspielen, die auf Verfahren der experimentellen und Konkreten Poesie zurückgreifen.
Michael Hansel

Das unbewältigte Wörterbuch

Gedichte | 10

 

Peter Köck: Das unbewältigte Wörterbuch. Gangan Verlag, Wien 1990, 128 Seiten, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-17-3, € 9,90

Das-unbewaeltigte-WoerterbuchKöck dürfte trotz seiner Beteuerung, streng formal zu operieren, ein Spontandichter sein. Von meinem ersten zustimmenden Brief erfreut, schrieb er mir an einem Wirtshaustisch neben einem fröhlichen Antwortbrief in einem langen Atemzug, mehrere meiner Briefwörter durchoperierend, das nicht nur viele Seiten lange, sondern auch wirklich vielseitige Rabengedicht.
Angenehmes Merkmal des Spontanen scheint mir die Unerrechenbarkeit zu sein, auch dort, wo kombiniert, variiert und permutiert wird. Die Langweiligkeit seitenlanger regelmäßiger Ornamente, mit einem Blick erledigbarer reiner Kristallgitter findet hier nicht statt. Von Sekunde zu Sekunde kommen neue Methoden, neue ergiebige Einzeleinfälle ins Spiel. Von Minute zu Minute wird die alte Rechenmaschine weggeschmissen — Minderbemittelte werden sie aufklauben und noch jahrelang, bis zur Schrottreife, verwenden.
Andreas Okopenko

Das Bild steht noch deutlich vor Augen: Der ertrunkene Dichter Peter Köck, damals 39, wird am 1. Juni 1989 in der Nähe von Groß-Enzersdorf aus dem Donau-Oder-Kanal gefischt. Ein Jahr später ist nun beim gangan Verlag der zweite Band einer Peter Köck gewidmeten Werkausgabe erschienen. Köck bediente sich darin permutativer Verfahren. Dabei wird ausgewähltes Wortmaterial semantischen und seriellen Veränderungen unterworfen. Das stellt Köck in die Tradition der experimentellen Literatur. Der studierte Sprachwissenschafter entlockte aber seinem (vorgeblich) Wörterbüchern entlehnten Vokabular, das er in fingierte Rede- und Argumentationsmuster einpaßte, gänzlich neue oder betont gesuchte Wendungen, die seiner Arbeit eine stark persönliche Note verliehen.
Ronald Pohl (Standard vom 19. Dezember 1990)

Eine eigenständig spontane, lustvoll verspielte Antwort auf die streng serielle Operationstechnik der Wiener Gruppe und ihrer nachhinkenden Ableger. Zu sehr war Köck ins Spiel mit Wortklang und -farbe verliebt, um sie einer strengen Konstruktion zu unterwerfen. Wo wieder andere in die Metapher auskehren, greift seine Lyrik ‘pragmatisch’ in die Alltagserfahrung und zerkaut humorvoll deren ungeschliffenes Wortarsenal. Nie degradiert die assoziative Überraschung das paronomastische Jonglieren mit dem Inhalt zur bloßen Pointe.
Peter Köck hat sich beim Schreiben wie im Leben gehen lassen, darum pulsen seine Gedichte vor Lebendigkeit. Als Leser hat man das anfeuernde Gefühl: sie werden in dem Moment, vor eigenen Augen geschrieben und bei jedem Wiederlesen neu. Die vielen falschen Töne, die eine wacklige Trompete – Musiker und Bildkünstler war er nebenbei auch – an heißen Sommertagen durch die Grazer Herrengasse geblasen hat, hier klingen sie nach. Und wer genau hinhört, der merkt, obwohl tragischerweise etwas spät: es waren die richtigen.
Richard Stradner (1. März 1991 in der Kleinen Zeitung)

Erinnerungen an einen früh Verstorbenen: Von Peter Köck (1949 – 1989), ein böser Bube, der schreibt, wie ein Nachfahre der Wiener Gruppe nur schreiben kann, hat der gangan Verlag ‘Das Unbewältigte Wörterbuch’ neu aufgelegt. Wie da einer mit Sprache umgeht, respektlos und provokant, ist immer auch witzig.
Anton Thuswaldner (19. Jänner 1991 in den Salzburger Nachrichten)

Die Großverlage produzieren Maschinensemmeln, wir Kleinverleger machen das Feingebäck, behauptet Horst Gerald Ganglbauer, Kleinverleger mit Adressen in Graz, Wien und Sydney. Eines seiner feinsten Gebäcke dürfte wohl die Ausgabe der Werke des Peter Köck sein.
(Lesezirkel der Wiener Zeitung, Nr. 49)

Das Bild anfängt stehen

LXIV Etüden in Haiku (=Hokku)
Gedichte | 8

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Peter Köck: Das Bild anfängt stehen. Gangan Verlag, Wien 1989, 64 Seiten, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-14-9, € 7,90

Das-Bild-anfaengt-stehenüber das hokku
du sollst das hokku wie eine mutter sprechen, die ihrem kind die geschichte vom guten mond erzählt. nämlich wie eine schöne junge mutter von einem überaus sanften schönen mond. ruhig und verträumt und mit stiller herzlicher freude in den geschlossenen augen. sie steht am fenster oder irgendauch im warmen gras der sommerlichen gärten. der wind schläft schon in den bäumen und die vögel singen nur ganz von fernher …
… so bitte sprich das hokku.
H. C. Artmann

‘die welle entlang
wo der damm aufhört und das
bild anfängt stehen’.

Ohne-Titel-Peter-Koeck.jpg
Peter Köck: Ohne Titel (Tusche auf Papier, ca. 1988)

41 Anagramme

Man sucht ein Leben lang
Gedichte | 7

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Magdalena Sadlon: 41 Anagramme, Gangan Verlag, Wien 1988, Cover: Gerald Ganglbauer, 64 Seiten, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-11-4, € 7,90

Man-sucht-ein-Leben-langIn den Anagrammen Magdalena Sadlons wirkt das Vorbild Unica Zürns nach, aber auch die weiterreichende Tradition des “irregulären” Europa und seiner “dämonenumwitterten Nachtseite” … so arbeitet Sadlon mir sprachlichem Material, das aus der bekannten Welt stammt, und entlockt ihm Satzfetzen und Sätze, die auf die in ihm verborgene Welt weisen. Barbara Alms

Um “Umstellungen der Worte” geht es ihr, um Wortspiele, vielleicht auch um Decknamen, um das Bilden von Verbindungen. Ebenso zeigt sie uns Lautreihen, die, vor- und rückwärts gelesen, einen Sinn ergeben. Sie hat sich gut informiert über Wortspielereien und erläutert anschaulich alle Geheimnisse geschriebener Buchstabenreihen, findet Anklänge an Surrealisten ebenso wie an Barockdichtungen. Brigitte Mayr

Sie ist eine Meisterin in dem, was man die “Alchemie des Wortes” genannt hat. … Sadlon erzeugt aus der simpelsten Wendung Energien. … Zwischen der Anordnung der vermeintlich normalen Wortfolge und poetischen Zeilen der Permutation entsteht eine Spannung, die der zwischen Alltagsrede und poetischer Rede entspricht. … Die Anagramme Magdalena Sadlons mobilisieren unsere Phantasie.
Wendelin Schmidt-Dengler

Ein BedROHlichES

Gedichte | 6

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Reinhold Aumaier: EIN bedROHlichES. Gangan Verlag, Wien 1988, 64 Seiten, 8 Collagen, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-21-1, € 7,90

ein bedrohlichesWie die gegenwärtige Welt, enthält auch die moderne Literatur, gleich aller modernen Kunst, einen mehr oder minder großen Anteil an Ekelhaftem. Ich, als Zeitgenosse, liebe diesen leichten Brechreiz, der sich bei meinen Begegnungen mit moderner Kunst alsbald einstellt. Reinhold Aumaiers Gedichte und Collagen verfügen über solche Auslöser von Übelkeit in reichem Maße und entsprechen auf diese Weise den Anforderungen, die heute an Dichtung zu stellen sind. – Ernst Jandl

Zusammenzuraffen wäre also nichts

Gedichte | 5

 

Petra Ganglbauer: Zusammenzuraffen wäre also nichts. Gangan Verlag, Wien 1987, 64 Seiten, Cover: Gerald Ganglbauer, Foto: Elisabeth Wörndl, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-08-4, € 7,90

Zusammenzuraffen-waere-also-nichtsDieser Band dokumentiert meinen Versuch, mich von abbildender, situationsbedingter Lyrik zu entfernen. Mein Interesse gilt den Lücken, Schraffen, Zwischenräumen, blanken Stellen, Spannungen und Schwingungen, die durch ihren Hinweis auf ein mögliches Dahinter, Darüber oder Darunter, Wirklichkeit erst transparent werden lassen. Dennoch müssen die Ergebnisse dieser partiellen Sichtbarmachung immer wieder mittels Entgegnungen, Ergänzungen, Widerhaken (Klammerausdrücke) in Frage gestellt werden.

Anton Thuswaldner (Salzburger Nachrichten)