Die Einzelteile des Lebens

Roman

Mike Markart: Die Einzelteile des Lebens. Gangan Verlag, Wien 1991, 112 Seiten, Titeltypographie: Christian Horvath, Foto: Anita Markart, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-20-3, € 14,90

Die-Einzelteile-des-LebensSich erinnern – wen? Mike Markart zielt mit seinen detailfixierten Beschreibungen vom südsteirischen Anstaltsalltag auf eine Genauigkeit, die jenseits persönlicher Erinnerbarkeit liegt, in geschriebenen Sätzen.

Bei Markart sitzen die Pfleglinge im Roman dichtgedrängt auf einer Bank, um sich Die Einzelteile des Lebens solange gegenseitig vorzusagen, bis ein Ganzes entsteht, zusammenhängende Sätze. Die Wiederholung erschöpft sich dabei nicht in einer Litanei, sondern treibt sich durch Verschachtelung zu bester absurder Komik.

Wie schon in seinem ersten Gedichtband Belsize Park, der 1986 ebenfalls bei gangan erschienen ist, zeigt sich Mike Markart in seinem Roman-Puzzle wieder als ein kompromißloser Sprachspieler von großer Leichtigkeit. So wird die Dunkelheit, die um die Eingeschlossenen seines Buches herrscht, nicht nur erträglich – sie wird im vorschriftsmäßigen Rundgang durchs Gedächtnis aufgehoben. Oder um einen der wenigen zur Gänze zitierbaren Sätze Markarts zu zitieren: “Jene, die sich an den Fenstern gedrängt haben, nehmen wieder ihre Plätze ein.”
Lucas Cejpek, Der Standard (Wien)

Das unbewältigte Wörterbuch

Gedichte | 10

 

Peter Köck: Das unbewältigte Wörterbuch. Gangan Verlag, Wien 1990, 128 Seiten, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-17-3, € 9,90

Das-unbewaeltigte-WoerterbuchKöck dürfte trotz seiner Beteuerung, streng formal zu operieren, ein Spontandichter sein. Von meinem ersten zustimmenden Brief erfreut, schrieb er mir an einem Wirtshaustisch neben einem fröhlichen Antwortbrief in einem langen Atemzug, mehrere meiner Briefwörter durchoperierend, das nicht nur viele Seiten lange, sondern auch wirklich vielseitige Rabengedicht.
Angenehmes Merkmal des Spontanen scheint mir die Unerrechenbarkeit zu sein, auch dort, wo kombiniert, variiert und permutiert wird. Die Langweiligkeit seitenlanger regelmäßiger Ornamente, mit einem Blick erledigbarer reiner Kristallgitter findet hier nicht statt. Von Sekunde zu Sekunde kommen neue Methoden, neue ergiebige Einzeleinfälle ins Spiel. Von Minute zu Minute wird die alte Rechenmaschine weggeschmissen — Minderbemittelte werden sie aufklauben und noch jahrelang, bis zur Schrottreife, verwenden.
Andreas Okopenko

Das Bild steht noch deutlich vor Augen: Der ertrunkene Dichter Peter Köck, damals 39, wird am 1. Juni 1989 in der Nähe von Groß-Enzersdorf aus dem Donau-Oder-Kanal gefischt. Ein Jahr später ist nun beim gangan Verlag der zweite Band einer Peter Köck gewidmeten Werkausgabe erschienen. Köck bediente sich darin permutativer Verfahren. Dabei wird ausgewähltes Wortmaterial semantischen und seriellen Veränderungen unterworfen. Das stellt Köck in die Tradition der experimentellen Literatur. Der studierte Sprachwissenschafter entlockte aber seinem (vorgeblich) Wörterbüchern entlehnten Vokabular, das er in fingierte Rede- und Argumentationsmuster einpaßte, gänzlich neue oder betont gesuchte Wendungen, die seiner Arbeit eine stark persönliche Note verliehen.
Ronald Pohl (Standard vom 19. Dezember 1990)

Eine eigenständig spontane, lustvoll verspielte Antwort auf die streng serielle Operationstechnik der Wiener Gruppe und ihrer nachhinkenden Ableger. Zu sehr war Köck ins Spiel mit Wortklang und -farbe verliebt, um sie einer strengen Konstruktion zu unterwerfen. Wo wieder andere in die Metapher auskehren, greift seine Lyrik ‘pragmatisch’ in die Alltagserfahrung und zerkaut humorvoll deren ungeschliffenes Wortarsenal. Nie degradiert die assoziative Überraschung das paronomastische Jonglieren mit dem Inhalt zur bloßen Pointe.
Peter Köck hat sich beim Schreiben wie im Leben gehen lassen, darum pulsen seine Gedichte vor Lebendigkeit. Als Leser hat man das anfeuernde Gefühl: sie werden in dem Moment, vor eigenen Augen geschrieben und bei jedem Wiederlesen neu. Die vielen falschen Töne, die eine wacklige Trompete – Musiker und Bildkünstler war er nebenbei auch – an heißen Sommertagen durch die Grazer Herrengasse geblasen hat, hier klingen sie nach. Und wer genau hinhört, der merkt, obwohl tragischerweise etwas spät: es waren die richtigen.
Richard Stradner (1. März 1991 in der Kleinen Zeitung)

Erinnerungen an einen früh Verstorbenen: Von Peter Köck (1949 – 1989), ein böser Bube, der schreibt, wie ein Nachfahre der Wiener Gruppe nur schreiben kann, hat der gangan Verlag ‘Das Unbewältigte Wörterbuch’ neu aufgelegt. Wie da einer mit Sprache umgeht, respektlos und provokant, ist immer auch witzig.
Anton Thuswaldner (19. Jänner 1991 in den Salzburger Nachrichten)

Die Großverlage produzieren Maschinensemmeln, wir Kleinverleger machen das Feingebäck, behauptet Horst Gerald Ganglbauer, Kleinverleger mit Adressen in Graz, Wien und Sydney. Eines seiner feinsten Gebäcke dürfte wohl die Ausgabe der Werke des Peter Köck sein.
(Lesezirkel der Wiener Zeitung, Nr. 49)

Das Bild anfängt stehen

LXIV Etüden in Haiku (=Hokku)
Gedichte | 8

AmazonStoreVerlag

Peter Köck: Das Bild anfängt stehen. Gangan Verlag, Wien 1989, 64 Seiten, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-14-9, € 7,90

Das-Bild-anfaengt-stehenüber das hokku
du sollst das hokku wie eine mutter sprechen, die ihrem kind die geschichte vom guten mond erzählt. nämlich wie eine schöne junge mutter von einem überaus sanften schönen mond. ruhig und verträumt und mit stiller herzlicher freude in den geschlossenen augen. sie steht am fenster oder irgendauch im warmen gras der sommerlichen gärten. der wind schläft schon in den bäumen und die vögel singen nur ganz von fernher …
… so bitte sprich das hokku.
H. C. Artmann

‘die welle entlang
wo der damm aufhört und das
bild anfängt stehen’.

Ohne-Titel-Peter-Koeck.jpg
Peter Köck: Ohne Titel (Tusche auf Papier, ca. 1988)

41 Anagramme

Man sucht ein Leben lang
Gedichte | 7

AmazonStoreVerlag

Magdalena Sadlon: 41 Anagramme, Gangan Verlag, Wien 1988, Cover: Gerald Ganglbauer, 64 Seiten, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-11-4, € 7,90

Man-sucht-ein-Leben-langIn den Anagrammen Magdalena Sadlons wirkt das Vorbild Unica Zürns nach, aber auch die weiterreichende Tradition des “irregulären” Europa und seiner “dämonenumwitterten Nachtseite” … so arbeitet Sadlon mir sprachlichem Material, das aus der bekannten Welt stammt, und entlockt ihm Satzfetzen und Sätze, die auf die in ihm verborgene Welt weisen. Barbara Alms

Um “Umstellungen der Worte” geht es ihr, um Wortspiele, vielleicht auch um Decknamen, um das Bilden von Verbindungen. Ebenso zeigt sie uns Lautreihen, die, vor- und rückwärts gelesen, einen Sinn ergeben. Sie hat sich gut informiert über Wortspielereien und erläutert anschaulich alle Geheimnisse geschriebener Buchstabenreihen, findet Anklänge an Surrealisten ebenso wie an Barockdichtungen. Brigitte Mayr

Sie ist eine Meisterin in dem, was man die “Alchemie des Wortes” genannt hat. … Sadlon erzeugt aus der simpelsten Wendung Energien. … Zwischen der Anordnung der vermeintlich normalen Wortfolge und poetischen Zeilen der Permutation entsteht eine Spannung, die der zwischen Alltagsrede und poetischer Rede entspricht. … Die Anagramme Magdalena Sadlons mobilisieren unsere Phantasie.
Wendelin Schmidt-Dengler

Rotweissbuch

Österreichische Autoren zum Anschluß 1938

StoreVerlag
Josef Haslinger: Rotweissbuch. Gangan Verlag, Wien 1988, 128 Seiten, Paperback, 19 x 12.5 cm, ISBN 3-900530-13-0 9,90 €

RotWeissBuchChristoph Wilhelm Aigner • Herwig Alth • Reinhold Aumaier • Johann Barth • Georg Bydlinski • Gustav Ernst • Janko Ferk • Antonio Fian • Waltraud Haas • Hans Haid • Werner Herbst • Klaus Hoffer • Adolf Holl • Evelyn Holloway • Eva Jancak • Ernst Jandl • Gerhard Jaschke • Marie-Thérèse Kerschbaumer • Friederike Mayröcker • Marcel Meyrath • Manfred Moser • Elisabeth Netzkowa • Andreas Okopenko • Walter Pilar • Elisabeth Reichart • Gerhard Roth • Magdalena Sadlon • Michael Scharang • Christian Schiff • Katja Schmidt-Piller • Sabine Scholl • Franz Schuh • Julian Schutting • Norbert Silberbauer • Peter Turrini • Liesl Ujvary • Herbert J. Wimmer

Ein BedROHlichES

Gedichte | 6

StoreVerlag

Reinhold Aumaier: EIN bedROHlichES. Gangan Verlag, Wien 1988, 64 Seiten, 8 Collagen, Englische Broschur, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-21-1, € 7,90

ein bedrohlichesWie die gegenwärtige Welt, enthält auch die moderne Literatur, gleich aller modernen Kunst, einen mehr oder minder großen Anteil an Ekelhaftem. Ich, als Zeitgenosse, liebe diesen leichten Brechreiz, der sich bei meinen Begegnungen mit moderner Kunst alsbald einstellt. Reinhold Aumaiers Gedichte und Collagen verfügen über solche Auslöser von Übelkeit in reichem Maße und entsprechen auf diese Weise den Anforderungen, die heute an Dichtung zu stellen sind. – Ernst Jandl

Zusammenzuraffen wäre also nichts

Gedichte | 5

 

Petra Ganglbauer: Zusammenzuraffen wäre also nichts. Gangan Verlag, Wien 1987, 64 Seiten, Cover: Gerald Ganglbauer, Foto: Elisabeth Wörndl, 21 x 14.5 cm, ISBN 3-900530-08-4, € 7,90

Zusammenzuraffen-waere-also-nichtsDieser Band dokumentiert meinen Versuch, mich von abbildender, situationsbedingter Lyrik zu entfernen. Mein Interesse gilt den Lücken, Schraffen, Zwischenräumen, blanken Stellen, Spannungen und Schwingungen, die durch ihren Hinweis auf ein mögliches Dahinter, Darüber oder Darunter, Wirklichkeit erst transparent werden lassen. Dennoch müssen die Ergebnisse dieser partiellen Sichtbarmachung immer wieder mittels Entgegnungen, Ergänzungen, Widerhaken (Klammerausdrücke) in Frage gestellt werden.

Anton Thuswaldner (Salzburger Nachrichten)